Miloslava Kalibová

geb. Suchánková

geb. 29. Dezember 1922 in Lidice,
gest. 27. Dezember 2019

13. Juni 1942 – 28. April 1945 in Ravensbrück

SIE HATTE EINEN STARKEN LEBENSWILLEN UND EINE POSITIVE EINSTELLUNG ZUR WELT.“

Míla Kalibová wurde im Alter von neunzehn Jahren zusammen mit ihrer Mutter Anna und der jüngeren Schwester Jaroslava sowie weiteren 193 Frauen aus Lidice nach Ravensbrück deportiert. Von der Gestapo wurde dieses Dorf ausgewählt als Ort der Rache des NS-Regimes für das Attentat, das die tschechoslowakischen Widerstandskämpfer Gabčík und Kubiš erfolgreich auf den Reichsprotektor Reinhard Heydrich verübt hatten. Die männlichen Dorfbewohner wurden vor Ort erschossen und einige Kinder zur Arisierung ausgewählt, der Großteil allerdings ermordet. Das Dorf wurde geplündert, gebrandschatzt und dem Erdboden gleichgemacht.

Die drei Suchánek-Frauen überstanden drei Jahre in Ravensbrück. Am 28. 4. 1945 begaben sie sich zusammen mit den anderen auf den Todesmarsch. In den Wirren des Kriegsendes liefen sie zu Fuß, sie übernachteten, wo es ging, ernährten sich von dem, was sie sich beschafften, und liefen täglich um die dreißig Kilometer. Später bildeten sie mit den männlichen Gefangenen aus Sachsenhausen eine nationale Gruppe. Letztlich kamen sie bis Neubrandenburg. Am 1. 6. kehrten sie in die Tschechoslowakei zurück. Als sie in Zinnwald die Grenze überquerten, wurden sie von Soldaten begrüßt, denen beim Singen der Staatshymne die Tränen über das Gesicht liefen. Erst dort erfuhren die Frauen aus Lidice vom Schicksal ihrer Angehörigen und dem zerstörten Dorf.

Die Großmutter war eine sehr kluge, bescheidene und tatkräftige Frau. Sie erledigte bis ins hohe Alter ihre Gartenarbeit, den Haushalt, interessierte sich für das Weltgeschehen, ging turnen, verbrachte gern Zeit in der Sonne und an der frischen Luft. Sie war in allem, was sie tat, sehr diszipliniert. Ich hatte den Eindruck, dass sie das Leben so nahm, wie es kam, und das mit Freuden. Sie ist Inspiration für mich.

Ich denke, dass Ravensbrück ein Ort war, der ihr ganzes Leben beeinflusste. Sie überlebte drei Jahre unter schrecklichen Bedingungen und in Unfreiheit. Sie fand dort Freundinnen aus anderen Ländern. Nach dem Krieg kehrte sie nach Hause zurück, wo nichts mehr war. Obwohl sie gern an einer Hochschule studiert hätte, fing sie eine Woche nach der Rückkehr an zu arbeiten. Sie musste ihre Mutter und jüngere Schwester ernähren. Später wurde sie Mitglied des Internationalen Ravensbrück- Komitees und beteiligte sich aktiv an der Bewahrung des Andenkens an die Geschichte von Lidice.

 

Šárka Kadlecová
Tschechische Republik
Enkelin von Miloslava Kalibová