Denise Rousseau

geb. 30. Januar 1920 in Nogent-sur-Marne (bei Paris)


3. Mai 1944 – 1. Mai 1945 in Ravensbrück

„RECHLIN WAR DAS GRAUEN. RECHLIN IST DAS GRAB MEINER KAMERADINNEN.“

1943. Als Tochter einer patriotischen elsässischen Familie und dem Beispiel ihrer Schwester Marie-Solange folgend, schloss sich Denise Rousseau nach ihrem Pharmaziestudium im Alter von 24 Jahren der Résistance an, dem geheimen Studentennetzwerk „Défense de la France“. Sie lernte Schreibmaschinenschreiben, begegnete ihrem zukünftigen Ehemann und wurde am 3. Mai 1944 gemeinsam mit ihrer Schwester aufgrund einer Denunziation verhaftet. Am darauffolgenden Tag wurden ihr Vater und ein kleiner Bruder verhaftet und nach Buchenwald deportiert. Ihr Vater wird nicht zurückkehren.

Es folgten Verhöre nach eineinhalbmonatiger Haft im Gefängnis von Fresnes, sie erinnert sich daran nur bruchstückhaft. Als sie nach den Verhören zurückkam, erkannten ihre Zellenkameradinnen sie nicht wieder.

Die beiden Schwestern gehörten zum sogenannten 57.000er-Transport, dem letzten Transport aus Paris am 15. August 1944. Während der Fahrt, ohne Wasser, ohne Toilette, herrschte erdrückende Hitze; die Kameradinnen wechselten sich ab, mal sitzend, mal aufrecht stehend. Nach sechs Tagen und sechs Nächten erreichten sie Fürstenberg. Es folgten fünf Monate Außenlager Königsberg (Oder), wo die Zwangsarbeit aus Planierungsarbeiten auf einer windgepeitschten Anhöhe, dem Ausgraben von Baumwurzeln und dem Transport von Schienen bestand.  Anfang Februar 1945, dann der Todesmarsch zurück nach Ravensbrück, wo die Blöcke überfüllt waren.  Sie wurden im Zelt untergebracht.

Mitte Februar, Verlegung nach Rechlin (Arbeit bei der Flugzeugtarnung, Reparatur von Start- und Landebahnen). Die Bedingungen in den Blöcken dieses Lagers waren so schrecklich, dass nur sehr wenige Deportierte zurückkehrten. Denise entkam knapp einem Transport in den Tod. Dann Verlegung ins Außenlager Ochsenzoll bei Hamburg, das unter Beschuss stand mit nächtlicher Fließbandarbeit unter Tage. Schließlich kam die Befreiung am 1. Mai 1945, sie wurde mit dem Zug nach Dänemark, dann mit dem Schiff nach Schweden gebracht - Dank der Verhandlungen mit Graf Bernadotte -, dort endlich Genesungszeit.

Anfang Juli kehrte sie nach Frankreich zurück: Zunächst per Militärflugzeug nach Le Bourget, dann Transfer zum Hotel Lutetia zur Überprüfung. Heimkehr mit dem Vorortzug, allein mit der Schwester.

Denise hat sich nie von ihrer Deportation erholt; sie schweigt fast völlig zu diesem Thema. Sie hat acht Kinder. Auch mit 100 Jahren plagen sie nachts noch immer Albträume.

 

Dominique Villard-Gamage
Frankreich  
Tochter von Denise Rousseau