Constanza Martínez Prieto

geb. 16. Januar 1917 in Madrid,
gest. 03. Januar 1997

25. Juni 1944 – 22. April 1945 in Ravensbrück und im Außenlager Schönefeld bei Leipzig

DIESE IMMENSE FREUDE BEIM WIEDERSEHEN MIT MEINEM MANN WURDE GESCHMÄLERT, ALS WIR VOM TOD VIELER FREUNDE ERFUHREN, DIE IN DEN TODESLAGERN BLIEBEN UND SICH NICHT ÜBER DEN SIEG FREUEN KONNTEN, DER UNS SO TEUER ZU STEHEN KAM.“

Constanza war aktives Mitglied der Vereinigten Sozialistischen Jugend (Juventudes Socialistas Unificadas). Sie arbeitete in der Redaktion einer für die Kämpfer bestimmten Zeitung, in der Kommission Militärpolitik des Zentralausschusses und beim Verteidigungsministerium bis zum Jahr 1939, als sie nach Frankreich fuhr. Als Frankreich in den Krieg eintrat, drängten die Behörden Constanza, nach Spanien zurückzukehren. Sie lehnte ab. Im Juni 1941 wurde sie von der deutschen Armee angeworben, was sie nicht am Kontakt mit der verbotenen Kommunistischen Partei Spaniens (Partido Comunista de España) hinderte. Am 27. Juni 1942 wurde sie während einer Razzia verhaftet. Sie wurde in ein Gefängnis nach Paris gebracht. Constanza und Juan Escuer, ihr zukünftiger Ehemann, trafen sich erstmals bei einer Vernehmung im Kommissariat. Juan gab Constanza heimlich einen Zettel, von dem sie annahm, es sei ein Brief für die Frauen im Gefängnis. Nach ihrer Rückkehr in die Zelle stellte sie fest, dass es sich um eine Liebeserklärung handelte. Am folgenden Tag, mitten während der Gerichtsverhandlung, gab Constanza ihm ihr Jawort.

Im Juni 1944 wird Constanza über Saarbrücken in das KZ Ravensbrück gebracht, wo sie knapp einen Monat blieb. Ab Ende Juli 1944 bis zur Befreiung musste sie im Ravensbrücker Außenlager Schönefeld bei Leipzig Zwangsarbeit für die Kriegsproduktion verrichten.

Mit der näher rückenden Sowjetarmee beschloss die SS, Ravensbrück und dessen Außenlager zu evakuieren. Als die Wachen verschwanden, teilten sich die Frauen in kleine Gruppen auf, von denen sich jede getrennt auf den Weg machte. Die Gruppe, bei der Constanza, drei weitere Spanierinnen und eine Französin waren, wurde von einer anderen Gruppe Kriegsgefangener (ein Tscheche, ein Jugoslawe und ein Italiener), die auf einem Gut arbeiteten, aufgenommen. Dort versteckten sie sich bis zur Ankunft der Sowjetarmee in Schönefeld am 22. April 1945. Sie wurden in einem großen Lager versammelt, später nach Torgau gebracht, von wo aus die amerikanischen Truppen sie zurück nach Frankreich in das Hotel Lutecia brachten. Dort traf sie ihren Mann wieder, der fünfzehn Tage früher zurückgekehrt war.

Ich erzähle dies als Anekdote, dass sie ihr Leben einer Brille verdankt. Sie musste von klein auf eine Brille tragen und diese ging am Tag, nachdem sie nach Leipzig kam, kaputt. Die Aufseher sagten ihr, sie würden die Brille reparieren, gaben sie aber nie zurück. Die ersten Tage ohne Brille waren schrecklich. Eines Tages aber war Constanza für den Verlust der Brille dankbar, da aufgrund einer Anordnung des Lagerleiters alle Frauen, die eine Brille trugen, in die Gaskammern mussten.

Constanza litt unter ernsten gesundheitlichen Problemen, die eine Folge der Qualen während der Deportation waren. Sie hörte aber nicht auf, Zeugnis darüber abzulegen, was in den Konzentrationslagern geschehen war. Sie war Vizepräsidentin der Amicale de Mauthausen.

 

Teresa del Hoyo
Spanien
Freundin von Constanza Martínez Prieto