Neus Català Pallejà

geb. 6. Oktober 1915 in Els Guiamets (bei Tarragona),
gest. 13. April 2019


3. Februar 1944 – 5. Mai 1945 in Ravensbrück und Außenlager Holleischen

„WENN ICH AUF DIE JAHRE BLICKE, DIE ICH VOR MIR HABE, UND AUF DIE JAHRE ZURÜCKBLICKE, DIE ICH GELEBT HABE, DANN FÜHLE ICH, DASS ICH NOCH IMMER DAS LEBEN LIEBE UND DASS DER EINZIGE TOD, DEN ICH FÜRCHTE, DER TOD DER HISTORISCHEN ERINNERUNG IST.“

Als Bauerntochter engagierte sich meine Mutter schon sehr früh für soziale Belange und die Rechte von Frauen. Sie war Kommunistin, wurde während des Spanischen Bürgerkrieges Krankenschwester und organisierte im Februar 1939 für 182 Kinder, die ihre Eltern verloren hatten, den Grenzübertritt nach Frankreich.

Ihr Engagement in der französischen Résistance war die logische Fortsetzung ihres Kampfes gegen den Faschismus in Spanien.

Als Verbindungsagentin überbrachte sie Nachrichten und transportierte Waffen. Ihr Haus diente als Treffpunkt für Widerstandsgruppen des Maquis und Deserteure des STO (Service du travail obligatoire), des von den deutschen Besatzern den Franzosen auferlegten Pflichtarbeitsdienstes.

Sie wurde denunziert, inhaftiert und im Februar 1944 nach Ravensbrück deportiert. Nach ihrer Befreiung aus dem Außenlager Holleischen wurde sie bei ihrer Rückkehr von ihren Kameraden aus der Résistance und den Behörden von Périgueux in Empfang genommen.  

Trotz allen Leids war ihr Leben voller bereichernder Begegnungen und Erfahrungen. Meine Mutter sagte immer, sie würde es gegen kein anderes eintauschen wollen. Sie war eine sehr fröhliche Frau, ungeachtet manch trauriger Momente.

Neus hat ihr ganzes Leben lang gekämpft und sich in zahlreichen Organisationen engagiert: gegen die Franco-Diktatur, für Frieden, Freiheit, soziale Gerechtigkeit und Frauenrechte.  

1983 veröffentlichte sie das Buch „De la resistència i la deportació: 50 testimonis de dones espanyoles“ [„In Ravensbrück ging meine Jugend zu Ende“, Berlin 1994] mit Berichten von 55 Zeitzeuginnen, als eine Würdigung all jener spanischen republikanischen Frauen im Exil, die in der französischen Résistance aktiv waren und von den Historikern vergessen wurden.

Meine Mutter sagte immer, dass Dante beim Schreiben seines „Infernos“ Ravensbrück nicht kannte. Er konnte sich das Undenkbare nicht vorstellen. Ravensbrück war ein Ort unvorstellbaren Grauens, aber auch ein Ort der Solidarität und Verbundenheit. Dort lernte sie, dass „jemand, der nicht so denkt wie du, besser sein kann als du“.  Ihre Kameradinnen haben Widerstand geleistet „für ein hohes Ideal, das dem Menschen einen Sinn verleiht und dank dessen er sich den Henkern gegenüber unendlich überlegen fühlt“.

 

Margarita Català
Spanien
Tochter von Neus Català Pallejà