Sofja Iwanowna Schkatula

geb. 27. Mai 1926 auf der Halbinsel Krim

1943–1945 in Ravensbrück

GLEICH NACH DER BEFREIUNG BESCHLOSS ICH, DAS KONZENTRATIONSLAGER ZU VERGESSEN UND ALLES ENDGÜLTIG AUS MEINEM GEDÄCHTNIS ZU VERBANNEN, ES KAM MIR NICHT IN DEN SINN, DASS JEMAND SECHZIG JAHRE SPÄTER DANACH FRAGEN KÖNNTE.“

Sofja Iwanowna wurde 1942 zur Zwangsarbeit von der Krim nach Deutschland deportiert. Das Mädchen kam in ein Arbeitslager unweit von Frankfurt am Main. Nachdem die Anglo-Amerikaner das Werk bombardiert hatten, wurde sie in ein anderes Lager verlegt. Von hier holte man Sofja Iwanowna auf einen Bauernhof. Nach drei Monaten aber wurde sie wieder in das Lager bei Frankfurt zurückgeschickt. Die Lebensbedingungen verschlechterten sich erheblich. Deshalb verweigerte sie zusammen mit den anderen aus Protest einmal das Abendessen. Sie wurden bestraft, deshalb kam Sofja Iwanowna in ein Gefängnis in Frankfurt am Main. Es fand eine Gerichtsverhandlung statt und gemäß Urteil kam sie nach Ravensbrück.

1945 kam die Befreiung. Sofja Iwanowna arbeitete acht Monate in der Einheit Materialvorräte der Sowjetarmee. Im Dezember des gleichen Jahres kehrte sie auf die Krim zurück, wo sie bis heute lebt.

Die Tochter Ljudmila über Sofja Schkatula: „Meine Mutter sprach ungern darüber, was Ravensbrück für ihr Leben bedeutet hat. Erstmals erfuhr ich zufällig mit 10 oder 12 Jahren davon. Sie träumte jede Nacht von den ‚Hunden‘ aus dem Lager. Von da an kümmerte ich mich um sie, wie ich nur konnte.

Die Gefangenen haben Ravensbrück mit seinen Schrecken nie vollständig bezwungen. Durch die Kraft ihres Willens hielten sie ihren Zorn und ihre Wut zurück, die sie nicht bekundeten und in ihrem Inneren erstickt haben. Ihre Kräfte nahmen mit jedem Tag ab und wurden immer weniger.

Von meiner Mutter sagten sie, dass sie mindestens zwei Schutzengel hatte. Ich denke, ihr dritter Schutzengel war ihre Mutter, die all ihre Kinder durch ihre Weisheit, Gutherzigkeit und Geduld vor den Strapazen und vor Hunger und Kälte in der nicht weniger schweren Nachkriegszeit beschützte. Gerade unter ihren ,Fittichen’ wollte meine Mutter sein, als sie im Lager war.“

 

Natalia Timofeewa
Russland
Freundin von Sofja Iwanowna Schkatula